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Hallo DU,
heute war ein sehr depressiver Tag... Ich kam bereits morgens kaum aus dem Bett und während mein Freund schon aufgestanden war, drehte ich mich wieder um und schlief erneut ein. Aber leider nur für etwa 1,5h. Ich hatte überhaupt keine Lust auf Frühstück, aber die Brötchen waren bereits fertig aufgewärmt und wenn ich noch länger gewartet hätte, wären die bloß hart geworden. Also aß ich sie, während mein Freund seinen Film weiter schaute. Danach verzog ich mich wieder aufs Bett und las in dem Blog. Das hätte ich wahrscheinlich den ganzen Tag gemacht, wenn meine Nachbarin mich nicht daran erinnert hätte, dass ich ihr heute die Haare färben wollte. Gesagt, getan und sobald ich wieder Zuhause war, verkroch ich mich wieder ins Bett und las weiter. Wenigstens hab ich noch geschafft mich zu duschen, bevor ich noch einmal eingeschlafen bin. Wenigstens etwas. Ansonsten war mein einziger Wunsch heute: dem Tag verschlafen.
Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut wieder auf dem Balkon zu sitzen und ein wenig Unikram zu machen, aber das Wetter war scheußlich. Die Sonne ließ sich nicht blicken und so verkrümelte ich mich eben auch. Ich würde gerne besser beschreiben können, wie Tage für mich dann aussehen und sich anfühlen, aber mir fallen keine schönen Worte und Sätze dazu ein. Trotzdem möchte ich es versuchen:
Es ist alles Grau. Statt Rosarot färbt meine Brille die Farben in verschiedene Abstufungen von Schwarz in Grau und Grau und Grau. Doch egal wie viele Lampen ich auch anschalte, es gibt kein reines Weiß in meiner Sicht, denn helles Weiß könnte ja die Laune heben und das ist schließlich nicht in Ordnung. Und so blicke ich dann nicht in weiße Wolken, sondern in grau-schwarze Kohlen am Himmel. Jeder Sonnenstrahl wirkt wie schwarzer Teer, der sich einen Weg durch die Matsche bahnt; nur um die Welt noch trister zu machen. Die gesamte Umgebung ist dann kalt um mich herum und alles, was ich normalerweise „Zuhause“ nenne, ist nur irgendein kaltes, konturloses Konstrukt. Es ist so, als wäre auch mein Körper gefroren, aber ohne das Kribbeln, dass er sich daraus befreien will. Er ist nur taub und stumpf. Stoße ich irgendwo gegen, dann merke ich das nicht einmal.
Und so wie es von außen ist, so sieht es auch von Innen aus. Dort wabert dichter Nebel vor sich her, der alles einhüllt, wie alter Staub. Mein Inneres ähnelt dann einem verlassenen Haus, das seit Jahrzehnten unbenutzt ist und alle alten Fotos mit ihren lächelnden Gesichtern werden von einer so dicken Staubschicht bedeckt, dass sie nichts weiter als unscharfe Erinnerungen abbilden. Es ist dann so, als würde es die Vergangenheit nicht geben, die mich ausmacht. Ich weiß dann überhaupt nichts mehr über mich...
Wer bin ich? Was mag ich? Was hasse ich? Was bringt mich zum Lachen; was zum Weinen? Welche Wünsche und Träume habe ich? Welche Eigenschaften machen mich aus? Gibt es überhaupt etwas, das mich ausmacht und was mich charakterisiert? Habe ich überhaupt einen Charakter oder bin ich eine leere Hülle ohne Inhalt?
Und wenn ich dann versuche in mich hinein zu hören und Antworten auf all diese Fragen zu finden, dann höre ich einfach... Nichts. Da antwortet keine traurige, fröhliche, zornige, zickige, lebensfrohe, pessimistische oder bösartige Stimme. Es existieren keine Gedanken, keine Wünsche, keine Hoffnungen. Aber selbst wenn ein kleiner Teil von mir versuchen würde zu antworten, so käme kein Geräusch bei mir an. Nebel und Staub verschlucken alles, was gehört werden will. Also wandere ich weiter alleine durch die Zimmer meines Ichs und höre weder mich, noch die Umgebung. Es ist einfach nur still.
Also suche ich nach irgendeiner Emotion, nach einem kleinen bisschen Leben in mir, aber nicht einmal die Bilder von DIR konnten irgendetwas in mir auslösen. Ich habe dich nicht vermisst, ich habe mich nicht nach dir gesehnt, ich habe nichts mit dir verbunden.
Aber jetzt merke ich wieder, dass da etwas fehlt; dass DU mir fehlst. Und so mehr ich mir selbst verbiete mir eine Zukunft mit dir vorzustellen und meinen Freund zu verlassen, desto schlechter geht es mir. Ich möchte weder das eine, noch das andere. Ich weiß selbst nicht, was ich will und warum ich es will. Abgesehen davon, dass du bestimmt auch kein Mädchen möchtest, das so viel älter ist, das oft so kompliziert ist, das woanders wohnt, das ganz anders ist, das in festen Händen ist, das Depressionen hat, das bei ihrem Freund wohnt, von welchem sie doch immer schwärmt.
Ich würde mich auch nicht wollen.
Deine dich vermissende ... Ich.
Noch 42h ohne dich.
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