Die letzten Tage ist nicht viel passiert, außer ein wenig Zocken, ein wenig Malen und sich über die Uni aufregen, weil es nächste Woche mit Vielem wieder losgeht, die aber überhaupt nichts hinkriegen... Selbst der Stundenplan steht noch nicht...
Auf IHN war ich manchmal etwas sauer, weil er mich wieder oft beim Zocken korrigiert hat und auch wenn er das nur nett meint und will, dass ich mich verbessere, tut das immer noch etwas weh... Oder dass er meinen Text nicht gelesen hat. Das tat auch weh, weil ich wieder dachte, dass ich unwichtig sei...
Und heute merkte ich, dass meine Gefühle für ihn in den letzten Tagen wieder nur rein freundschaftlicher Natur wurden, sodass ich mich traute ihn auf unsere Beziehung anzusprechen. Gestern schrieb ich ihm abends, dass ich gerne mit ihm reden würde, aber mein Freund das nicht so mitbekommen soll. Ich spreche mit meinem Freund wirklich über alles, aber manche Dinge muss ich erst für mich selbst klären, bevor ich ihm davon erzählen kann...
Heute morgen antwortete ER also, dass er wohl den ganzen Tag da wäre und ich mich nur melden bräuchte. Gesagt, getan, ich rief ihn an. Zunächst ging er nicht ran, was mich verunsicherte, aber kurze Zeit später rief er zurück. Nach ein paar Minuten Smalltalk fragte ich ihn also, was für ihn wichtig in einer Freundschaft wäre und wie er Freundschaft definieren würde. Er sagte, dass Vertrauen für ihn das Wichtigste wäre und nachdem ich darauf erst einmal nichts erwiderte (ich war nervös und es war der Anfang des Gespräches), ergänzte er, dass ich für ihn eine Freundin wäre. Und bumm, war ich direkt viel entspannter. Ich glaube ich war mir einfach sehr unsicher, wo wir stehen. Denn ich bin jemand, der Menschen sehr schnell und leicht in sein Herz schließen kann und diese dann Erstens eine gewisse Macht über mich haben (böse Worte von Ihnen stechen mir direkt ins Herz) und Zweitens kommen diese Menschen da nicht mehr so leicht raus. Das ist oft schwierig, weil es Menschen gibt, die das schamlos ausnutzen, aber andererseits ermöglicht es mir mit Menschen in Kontakt zu treten und böse Nachreden so lange zu ignorieren, bis ich mir selbst ein Bild gemacht habe.
Daraufhin sprachen wir 1h lang über das Thema Freundschaft. Ich erklärte ihm, dass es mir sehr, sehr schwer fallen würde, wenn ich Menschen in mein Herz geschlossen habe, diese wieder gehen zu lassen und dass ich ein Mensch bin, der sich und seine Seele Menschen sehr schnell offen darlegen würde. Ich erzählte ihm von ehemaligen Freundschaften und Erfahrungen mit neuen Menschen. Mir ist es nämlich bereits passiert, dass Menschen damit nichts anfangen konnten oder sie verstört waren, nachdem ich ihnen von meinen Depressionen und dem ehemaligen Ritzen erzählt habe. Als ich ihn dann bat mir Bescheid zu geben, wenn ihm das bisher schon alles zu viel wäre, entgegnete er, dass das nicht so wäre und ich mir keine Sorgen darum machen bräuchte. Abgesehen davon hätte er bei unserem „Kennenlernen“ direkt bemerkt, dass er mit mir auch über Nicht-Uni-Dinge reden könnte und mit unserer ehemaligen Kommilitonin eher nicht (wir mussten uns für ein Modul in 3er Gruppen vorbereiten und bei WhatsApp kamen zufällig ER und die Kommilitonin dabei herum). Er erzählte auch, dass es für ihn immer schon schwierig war Freundschaften mit Mädels zu knüpfen, weil er das immer schwierig fand, weil direkt Gerüchte aufkommen oder einer der beiden dann doch mehr wollen könnte. Im Grunde genommen hat er mir gesagt, dass ich seine erste weibliche Freundin wäre, was ich echt süß fand und womit ich nicht gedacht hätte. Die anderen Mädels, mit denen er ab und zu zockt, wären für ihn nicht automatisch Freunde, sondern eher Bekannte.
Und nachdem wir das erst einmal geklärt hatten, erzählte ich ihm, wie ich überhaupt auf das Thema kommen würde. Zuerst erzählte ich ihm von meiner Befürchtung, dass wir uns nach dem 2. Semester aus den Augen verlieren könnten (wir werden beide unterschiedliche Wahlpflichtfächer wählen und so kaum noch Kurse miteinander haben...). Das Thema hatte er sogar von selbst aufgegriffen und gemeint, dass er sich gut vorstellen könnte, dass wir auch nach dem 2. Semester in Kontakt bleiben würden. Er begründete das damit, dass er mich ja als Freundin betrachten würde und das tat mir gut. Es war also schon mal sehr gut, dass ich nicht krampfhaft meine freundschaftlichen Gefühle wieder auf eine reine Uni-Beziehung zurückschrauben müsste.
Außerdem fragte ich ihn, warum er meinen Text nicht gelesen hätte und dass bei mir dann ankommt: Sie ist mir nicht wichtig genug; eigentlich will ich das auch gar nicht. Er verneinte das sofort und widersprach mir. Ausgerechnet an dem Tag hätte er keine Zeit gehabt und es tatsächlich vergessen. Wobei er selbst bemerkte, dass das wie eine schlechte Ausrede klingen würde. Aber er würde sich dransetzen und später am Abend hat er zumindest gesagt, dass er angefangen hätte. Da er kein besonders gerne lesender Mensch ist und es 16 Seiten sind, verstehe ich, dass er das nicht in einem Rutsch ließt.
Was ich noch sehr schön fand, war, dass er sich darauf freuen würde, wenn wir uns „nach“ Corona auch mehr anders sehen könnten, als nur online. In der Uni oder auch privat. Ich glaube wir müssten mal zusammen Sushi essen gehen: mögen wir beide nämlich gerne.
Wir redeten wirklich über viele Dinge (Kritikfähigkeit, „Freunde“ mit anderen Prioritäten, Themen über die man nicht mit Freunden reden kann, Freundschaften während Corona, emotionale Unterschiede zwischen Mann und Frau, ...) die ich gar nicht alle aufzählen kann. Am Wichtigsten ist mir aber, dass wir uns nur aufeinander konzentriert haben und er nicht gleichzeitig am PC war und seine Sachen erledigte. Das war wirklich „Deep Talk“ und ich hoffe, dass es auch für ihn klärend war, um mich als komplizierte Person besser zu verstehen und einzuschätzen. Er sagt zwar selbst von sich, dass er kein so tief-gehender Mensch wäre, aber das glaube ich nicht. Klar, ist er nicht auf meinem Level, aber er ist ja auch deutlich jünger und allein, dass er mit mir darüber gesprochen und es verstanden hat, beweist doch das Gegenteil.
Ich bin tatsächlich einfach glücklich. Es fühlt sich für mich jetzt alles richtig an und angenehm wohlig. Jetzt habe ich hoffentlich einen guten Freund gewonnen.
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