Mittwoch, 24. März 2021

Wenn die Stimme ins Herz trifft

Tatsächlich werde ich in diesem Jahr bereits 25, also ein Vierteljahrhundert, wie mein Vater gerne sagt.

Doch mein Fühlen ist anders. Seit der Beziehung mit meinem Ex bin ich ein wenig abgestumpft, was das Kribbeln im Bauch und die Schmetterlinge vor den Augen angeht. Früher, also noch zu Schulzeiten, war ich jeden Tag unglaublich aufgeregt, wenn ich mich auf den Weg zur Schule machte und wusste, das ich an diesem Tag einen gemeinsamen Kurs mit meinem Schwarm besuchen würde. Dann war da dieses typische Gefühl der Aufregung mit kalten Hände und einem Kloß im Hals, sodass ich nichts hinunterbekommen habe. Sobald mein Schwarm die Treppe zum Kursraum hinaufstieg setze mein Herz kurz einen Schlag aus und das verstohlene Beobachten setzte ein. Mit wem redet er? Was erzählt er? Was trägt er? Schaut er rüber zu mir?

Und das setzte mit dem Beenden der Schule aus, denn diese ‚zufälligen Treffen‘ auf den Gängen oder dem Schulhof gab es nicht mehr. Selbst in der Klasse meiner Ausbildung, wo ich durchaus einen Typen ganz süß fand, war ich zwar aufgeregt, aber es fehlte diese zusätzliche pubertäre Anspannung; dieses kindliche (?) Schmachten. Ich fühlte mich da bereits abgeklärter und ‚erwachsener‘.

Und nun sitze ich hier und fühle diese Schwere in meinem Magen, so wie früher, wenn ich wusste, dass ich meinen Schwarm erst am nächsten Tag wieder sehen würde. Ich weiß, dass das alles mehr als verrückt ist, denn mein Freund schläft nur einen Raum weiter, während ich hier sitze und wegen eines anderen aufgeregt bin. Das sollte so nicht sein, aber an meinen Gefühlen konnte ich bereits früher nichts ändern. Und wenn ich mit einem Schwarm nicht abschließen konnte (was meistens passierte, denn es lief nie etwas mit denen, weil ich für sie nicht interessant war und sie mich gar nicht sahen), hat mich das auch noch Jahre später in so manchem Traum beschäftigt. Wie gesagt, ich sitze hier und habe DEINE Stimme im Kopf, wie sie mich wieder ärgert, indem du extra nah ins Mikro gesprochen hast. Das machst du häufiger, auch wenn deine Freunde dabei sind, einfach weil du weißt, dass das lustig ist. Aber mich trifft es mit jedem Tag, an dem du das machst, immer näher ins Herz. Tatsächlich hast du dich bereits vor 15min verabschiedet, aber dieses Kriechen deiner Stimme... Dieses Weitergraben in meine Seele... Das macht mich fertig. Aber nur auf der einen Seite, denn auf der anderen Seite spüre ich mich wieder mehr und erkenne mein früheres Mädchen in mir, dass immer mal wieder vorbeischaut und sich wundert, dass aus ihr, diesem depressiven, selbstzerstörenden und unglücklichen Mädchen, eine recht glückliche Frau geworden ist. 

Doch ein ganz kleines bisschen wünscht sie sich zurück. Nicht mit allen negativen Gefühlen und Selbstzweifeln, aber das Erwachsenensein ist doch so viel anders und so viel mehr. Und eben auch der Abschluss eines Lebensabschnittes, der sie am meisten geformt hat.

Nein, ich glaube nicht, dass ich ernsthaft in IHN verliebt bin, denn als ich ihn das erste Mal sah war ich ein wenig enttäuscht und wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, nämlich dorthin, wo ich wusste, dass ich ein riesiges Glück mit meinem Freund habe. Aber ich mag IHN sehr; wünsche mir ganz oft ihn einfach drücken zu können und meinen Kopf auf seine Schulter legen zu können. In dieser verrückten und traurigen Corona-Zeit, wo es ein Verbrechen ist seine Liebsten zu sehen und der Alltag noch stärker an einer Beziehung zerrt, als es sowieso der Fall ist, da fühlt er sich für mich an wie eine kleine Insel auf die ich mich zurückziehen kann und einfach nur eine Frau bin, die die Aufmerksamkeit genießt.

Du darfst jetzt übrigens wieder aus meinem Herzen verschwinden, denn wenn ich gleich neben meinem Freund liege, dann gehöre ich nur ihm.

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