Heute war ein sehr schöner Tag. Von etwa 9 Uhr an waren wir bis fast 14 Uhr zusammen im Chat. Ich habe mich heute wieder richtig wohl mit dir gefühlt, denn während ich an meinem extrem langen Text über die wichtigsten männlichen Wesen in meinem bisherigen Leben geschrieben habe, hast du weiter an deinen Animationen gearbeitet. Du hast dich sogar mit mir unterhalten, was wir sonst vor lauter Konzentration nicht unbedingt hinbekommen. Klar, es ging vorwiegend um die Situationen beim Zocken, aber dennoch warst du ein wenig lockerer.
Irgendwann ist aus mir dann einfach Folgendes herausgeplatzt:
„Manchmal könnte ich dich einfach abknutschen.“
„Aha? Warum?“
„Na, weil ich dich mag.“ oder „Na, weil wir Freunde sind.“ (ich habe meinen genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf)
„Dazu sage ich jetzt nichts.“
„Ich könnte alle meine Freunde abknutschen, weil ich so froh bin, dass ich sie hab.“
„Achso. Awww, wie süß.“
Und daraufhin sagtest du ein paar Sätze später, nachdem du dich wieder über die anderen Mates beim Zocken aufgeregt hattest, dass du lieber mit mir spielen würdest. Auch wenn du danach noch hinterherschicktest, dass ich wenigstens das tun würde, was du sagen würdest. Und ja, darüber habe ich nur gelacht, weil er tatsächlich ein wenig recht hat. Ich bin einfach deutlich schlechter im Zocken, als er. Aber ein kleines bisschen habe ich mich auch darüber geärgert. Du schobst also noch hinterher, dass ich nicht einfach so dumm in der Gegend rumstehen würde, sondern brauchbar Mitzocken würde. Das hat mich dann wieder ein wenig besänftigt.
Ich weiß, dass das absolut irrational ist, aber ich hab dich lieb. Auf welche Art, weiß ich nicht, aber ich habe in mir das Bedürfnis dich einmal ganz feste zu drücken. Und wahrscheinlich wird das nie passieren, aber die Vorstellung finde ich trotzdem sehr schön.
Abends haben wir dann wieder ganz normal mit deinem Freund gezockt und nachdem er gegangen war, waren wir wieder alleine im Chat. Wir unterhielten uns noch kurz über Fotomotive, die du gerne dort machen würdest und ich genoss es noch für ein letztes Mal deine Stimme zu hören (ja, mir kommen 5 Tage ohne ihn wie eine Ewigkeit vor). Und auch wieder konnte ich nicht anders und sagte zu dir, dass ich dich bestimmt vermissen würde. Du nahmst das aber nicht an und sagtest bloß, dass du ganz sicher wärst, dass ich das überleben würde. Und du hast recht. Ich werde es überleben und vielleicht sogar genießen, dass ich mich wieder voll und ganz meinem Freund zuwenden kann. Selbst als ich gestern nach langer Zeit mit einer bestimmten Freundin spazieren war und ihr alles schilderte, was mich zurzeit bewegt (natürlich auch dich), sagte ich noch, dass das bestimmt gut sei, wenn du nun bis zum Wochenende weg wärst, da ich dich dann wieder ‚vergessen‘ könnte... Davon ist gerade tatsächlich nichts übrig... Ich sitze hier und weine um einen Jüngeren, der nicht mein Freund ist. Na toll... Habe ich eigentlich überhaupt nichts gelernt? Gerade, weil ich doch alle wichtigen Kerle in meinem Text aufgearbeitet hatte... Aber nein, mein Herz vermisst dich. Dabei hoffe ich so sehr, dass es nicht DICH vermisst, sondern bloß die Routine und das ‚Nicht-alleine-sein‘, während mein Freund auf der Arbeit ist. Es muss einfach das sein, denn so stark habe ich bei dem Azubi von vor einem Jahr nicht gefühlt. Ich habe nicht so sehr geweint, wie ich es jetzt bei dir tue... Schon komisch, wenn der eigene Körper so gegen einen arbeitet? Meine Freundin sprach sogar davon, dass manche Menschen eben nicht für die Monogamie geschaffen wären... Aber ich glaube und hoffe nicht, dass ich so ein Mensch bin. Ich glaube nicht daran, denn das würde mir Angst machen und ich hoffe nicht darauf, weil es meinen Freund fertig machen würde. Das, und damit auch mich als schlechten Menschen, hat er nämlich nicht verdient. Er verdient nur das Beste, denn er selbst IST das Beste, was eine Mensch nur sein kann.
Aber den wohl wichtigsten Teil heute habe ich noch gar nicht benannt: Im Laufe des Tages haben wir nämlich ausgemacht, dass du den Text über „die wichtigsten Männer in meinem Leben“ lesen würdest. Ja, ich hatte es dir erst anbieten müssen und ja, du hast gezögert und ja, du willst damit erst bis nach deinen 5 Tagen warten, aber hey, Intimeres habe ich wohl noch nie geschrieben und wenn du das dann lesen solltest... Dass ich dir das zu lesen geben möchte, ist im Grunde genommen aber auch das Falscheste, was ich tun kann. Wenn selbst ich damit immer noch leicht überfordert bin, wie soll das dann ein 19-jähriger verstehen?! Es ist wirklich dumm von mir, dass ich mich dir so aufdränge... Ich möchte dich irgendwie an mich binden, indem ich so offen zu dir bin. Warum mache ich das eigentlich?! Bin ich denn total verrückt? Im Grunde genommen kenne ich dich doch erst viel zu kurz und du bist mit psychischen Problemen nie in Berührung gekommen; geschweige denn mit Mädels, die mit dir zusammen sein wollten, um dich in irgendeiner Weise auszunutzen... Warum mache ich das also dann? Ich weiß es wirklich nicht. Ich möchte diesen Text nicht ‚für umsonst‘ geschrieben haben, da diesen Blog eh kein Mensch interessiert. Aber ich möchte mich dir auch komplett öffnen und hoffe, dass edu mich dann immer noch in Ordnung findet. Ich möchte eigentlich diese zarte Freundschaft schon wieder zerstören (ähnlich wie bei dem Typen aus meiner Ausbildungsklasse) und scheine geradezu darauf zu geiern, dass du mich danach so creepy findest, dass du den Kontakt abbrechen möchtest.
Ich bin also nicht mehr am Schneiden, aber dennoch will ich mich auf irgendeine Art und Weise zerstören beziehungsweise mir selbst Steine in den Weg legen. Ja, leider bist DU mein Opfer geworden, weil ich in mir eben doch immer noch der kranke Mensch von damals bin. Aber hey, ich mache jetzt einfach eine Wette mit mir selbst! Wenn du mich Sonntag oder Montag nicht darauf ansprichst, dann lass ich es sein! Dann lasse ich dich in Ruhe mit meiner Psyche, aber wenn du nachfragst, dann darf ich ‚mich selbst sabotieren‘. Dann hat dieses letzte bisschen Abartigkeit in mir gewonnen. Wie sieht’s aus? Meinst du du wirst dich daran erinnern? Meinst du ich ziehe das durch und gebe dir keine kleine Gedächtnisstütze? Meinst du ICH gewinne oder diese abartige Ich-Stück in mir? Mal sehen, was passieren wird. Egal wie es ausgeht, in beiden Fällen verliere letztendlich ich. Entweder durch dich oder die Kreatur drängt mich immer weiter Richtung Selbstzerstörung. Mal sehen. Wir sprechen uns spätestens Montag wieder.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen