Ich liege neben meinem Freund im Bett, während ich diese Zeilen schreibe.
Den Freund, dessen Nachnamen ich bereits auf meinen Apple-Pencil eingravieren ließ, weil ich mir sicher bin, dass wir eines Tages heiraten werden. Mit großen Schritten nähern wir uns unserem 2-jährigen und mit meinem Ex hatte ich bis dahin schon ganz andere Sachen durch: Streitereien, Machtkämpfe, tagelange Stille.
Hier und heute ist das anders und statt dem permanenten Stress einer Ausbildung und einem Ex ausgesetzt zu sein, der den lieben langen Tag ohne Job nur am PC verbringt, stellen mein Freund und ich uns bereits vor, wie wir unsere zukünftigen Kinder erziehen wollen und wie wir welches Zimmer in unserem zukünftigen Haus gestalten wollen. Regelmäßig quatsche ich mit seiner Oma und unsere beiden Eltern haben den jeweils anderen nicht nur ins Herz geschlossen, sondern fast schon ‚adoptiert‘. Abgesehen davon fühlt es sich mit meinem Freund so an, als wären er und ich im Himmel in Wahrheit eine gemeinsame Seele gewesen, die sich auf dem Weg zur Erde entzweit hat, nur um sich nach viel zu vielen Jahren wieder zu finden; um wieder eins zu werden.
Nun liege ich hier und schreibe von den ganzen süßen und perfekten Seiten meiner Bilderbuchbeziehung und denke aber viel mehr an einen anderen. Dass ich auch bei meinem Ex an andere Typen gedacht habe und sie süß fand, empfand ich als normal, schließlich war unsere Beziehung nicht so toll. Aber dass mir das auch passieren würde, wenn ich doch eigentlich glücklich verliebt bin, damit hatte ich nicht gerechnet. Bereits vor knapp einem Jahr schwärmte ich ein klein wenig für einen Azubi, was aber wirklich nur eine kleine Schwärmerei auf Zeit war. Er war lediglich für etwa 1 Monat bei mir im Betrieb und danach habe ich ihn auch nie wieder gesehen. Nun ist es aber anders, denn ER hat jeden Tag ein ‚Discord-Date’ mit mir, weil wir zusammen studieren und uns wirklich gut verstehen. Über Discord habe ich sogar Freunde von ihm kennen gelernt und abends zocken wir alle gemeinsam. Ich stehe da total drauf, denn gerade in Zeiten von Corona darf man sich ja nicht mit Freunden und Familie treffen und wenn dann nur in einem sehr strengen Rahmen. Alle zusammen sorgen sie also nicht nur dafür, dass ich einen routinierten Tagesablauf (trotz Corona-Chaos) habe, sondern sie sind neben meinem Freund zurzeit auch DIE sozialen Kontakte, die dafür sorgen, dass ich nicht vereinsame.
Nun gut, ich verbringe also viel Zeit mit ihm, was unter normalen Umständen in den Semesterferien nicht so wäre.
Nun gut, wir verstehen uns eben sehr gut und teilen Hobbys beziehungsweise ergänzen den anderen ein wenig.
Nun gut, ER könnte in der direkten Konkurrenz zu meinem Freund überhaupt nicht bestehen, denn mit ihm verbinde ich nicht nur ein paar Hobbys und Interessen, sondern eine ganze Lebens- und Moralvorstellung.
Nun gut, eigentlich läuft da in diesem Sinne ja nichts.
Aber dass ich mich momentan mehr auf unsere ‚Dates‘ freue, als auf meinen Freund... Zumindest ein bisschen auffällig und durcheinanderbringend ist das schon. Ich lerne ihn auch immer besser kennen und obwohl ich mir niemals im gesamten Leben vorstellen könnte mit jemandem eine Beziehung einzugehen, der deutlich jünger ist als ich und sich in vielen Dingen noch absolut unreif verhält, genieße ich es sehr, dass er unsere ‚Dates’ (mit und ohne seine Freunde) in seinen Kalender einträgt.
Und so liege ich abends im Bett und mein letzter Gedanke vor dem Hinwegsinken in meine Träume ist eben doch ER.
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